Die politisch Verantwortlichen behaupten gerne, dass in den letzten Jahren viel für den Schutz der
Umwelt getan worden sei. Nordseefauna.org erlaubt es sich an dieser Stelle, auf einige unbequeme
Fakten hinzuweisen, die unwiderlegbar feststehen. Der geneigte Leser kann sich das in Kurzform durch
den Kopf gehen lassen und dann seine eigenen Schlussfolgerungen daraus ziehen...
Doch ich muss Sie vorab warnen: Lesen gefährdet die Dummheit!
Was gab es früher? Und was ist davon noch übrig? Hier ist eine Chronik des faunischen & florischen Niederganges in Kurzform...

Um 1800 musste die Rochenfischerei im Watt, die einst ein königliches Privileg war, aufgegeben werden. Man fing kaum noch Rochen. Der Grund: Durch Landgewinnungsmaßnahmen war
Mutterboden auf weite Teile des Watts gelangt. Die Rochen mieden fortan die für sie zu schlammig gewordenen Areale.

Etwa um 1900 war die Europäische Auster aus der deutschen Bucht so gut wie verschwunden. Die Ursache: Wasserverschmutzung durch Industrieabwässer.

Bis zu den 1930er Jahren gab es ausgedehnte Bestände des kleinen Seegrases Zostera nana. Diese verschwanden jedoch aufgrund von Krankheiten, die aus anderen Meeresteilen eingeschleppt
wurden. Übrig blieben kleine Zosterainseln, die mit den ursprünglichen Seegraswiesen nichts mehr gemein haben. Mit dem Verschwinden der Zosterabestände gingen auch die Bestände der
Seepferdchen in der Nordsee drastisch zurück.

Eine Tierart, die ebenfalls aus der Deutschen Bucht verschwunden ist, ist der Europäische Stör Acipenser sturio. Diesem imposanten Fisch, der bis zu sechs Meter Länge erreichen kann, wurde es
zum Verhängnis, dass man ihm seine Laichwege durch allerlei Gewässerregulierungen verbaute. Gleiches gilt auch für den Atlantischen Lachs Salmo salar und den Nordseeschnäpel Coregonus
oxyrhinchus, dessen Bestand laut der Internetplattform fishbase.org als in der Nordsee "erloschen" bezeichnet wird.

Bis in die 1940er Jahre konnten bei Helgoland riesige Mengen von Europäischen Hummern gefangen werden. Fänge von 80.000 bis 90.000 Stück pro Jahr waren nicht außergewöhnlich, sondern
normal. Heute sind es nur noch einige hundert Exemplare.

Bis in die 1960er war es an der Küste ein weit verbreiteter Volkssport, Butttreten zu gehen. Dabei ging man mit den nackten Füßen während der Ebbe in den Prielen auf die Jagd nach Plattfischen
in essbarer Größe. Heutzutage muss man schon froh sein, wenn man in einem Priel einen Plattfisch von 2 Eurostückgröße findet. Wenn überhaupt...

Bereits 1983 teilte mir ein Krabbenfischer mündlich Folgendes mit: "Die Krabben, die wir heute fangen, hätten wir wegen zu geringer Größe früher an unsere Hühner verfüttert oder Fischmehl
daraus gemacht. Früher fingen wir für den menschlichen Verzehr nur die wirklichen großen Sandgarnelen von etwa 8-10cm Größe." Wie wahr! Heutzutage ist die Durchschnittsgarnele nur noch 5-
6cm groß. Denn wegen der Überfischung hat die Sandgarnele damit begonnen, sich immer frührer zu reproduzieren und in immer geringerer Größe geschlechtsreif zu werden.

Mitte der 1980er Jahre begann eine Krankheit, die Seehundsbestände drastisch zu dezimieren. Die Seehundstaupe PDS. Angeblich wurde die Krankheit durch eingewanderte Kegelrobben
verbreitet.

Ebenfalls in den 1980er Jahren waren Dorsche und Plattfische häufige Beifänge der Krabbenfischerei. Im Jahre 2009 kollabierte der Dorschbestand in Nord- und Ostsee gleichzeitig, während der
Plattfischbestand der südlichen Nordsee ebenfalls kollabierte. Das Brisante dabei: Dass der Plattfischbestand zusammenbrach. Denn gerade Plattfische haben eigentlich extrem hohe
Reproduktionsraten!

2008 stand fest, dass die einst häufigste Raubschnecke der Nordsee, nämlich die Wellhornschnecke Buccinum uindatum, in Teilen der Nordsee ausgestorben ist. Immerhin: Ein reproduktiver
Bestand soll angeblich noch nordwestlich von Helgoland existieren. Und im Sommer 2011 fand ich einen einzelnen Laichballen am Norddeicher Strand. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

2010 kam es dann im Frühjahr zu einem neuen Seehundsterben: 1000 tote Seehunde, davon 900 in Schleswig-Holstein. Ob es da wohl einen Zusammenhang mit dem Kollabieren von Dorsch-
und Plattfischbeständen gibt? Auffällig: Vor allem junge einjährige Robben fielen einem Lungenwurm zum Opfer, weil die geschwächten Tiere ihrer Beute (nämlich kleinen Fischen) noch nicht so
weit folgen konnten, wie das die Alttiere können. Lange Wege zur Nahrung? Das klingt doch irgendwie nach Überfischung?

2010 stellten die Biologen der biologischen Anstalt auf Helgoland fest, dass die großen Brauntange bereits damit begonnen haben, sich in immer größeren Tiefen anzusiedeln. Der Grund: Das
Oberflächenwasser der Nordsee ist ihnen "zu warm" geworden! Hält der Trend weiter an, werden die großen Laminarienwälder Helgolands bald nur noch Geschichte sein.